Drucken

Gesangverein Hoffnung
Chronik

1883 – Gründung und frühe Phase
1900 – Nach der Jahrhundertwende
1947 – Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
1973 – Der Verein am Abgrund und sein Überleben
1983 – Einhundert Jahre Gesangverein Hoffnung
2000 – Die zweite Jahrhundertwende des Vereins


1883 Gründung und frühe Phase

Einige der bildenden Künstler, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreich in und um Wiedenbrück niedergelassen hatten und das Kulturleben der Stadt nachhaltig prägten, schlossen sich 1883 zusammen, um zusätzliche musische Akzente zu setzen und das „deutsche vaterländische Liedgut zu pflegen“. In diesem Vorsatz kam wohl auch der für das ausgehende 19. Jahrhundert typische Nachklang der „revolutionären“ Bewegung jener Zeit zum Ausdruck. Gerade in den Kreisen der Bohème, wie sie auch in Wiedenbrück existierte, fand dieses Gedankengut überaus aufnahmebereiten Boden. Bei den Zusammenkünften wurde jedoch nicht nur gesungen und diskutiert, sondern man frönte auch dem Lotteriespiel in der festen Zuversicht auf einen großen Gewinn. Daher rührt der Name des Vereins: Hoffnung. Wie aus den Aufzeichnungen jener Zeit hervorgeht, begnügte man sich im Laufe der Jahre ungeachtet des hohen und pathetischen Anspruchs der Gründer mit einfachen geselligen Zusammenkünften, bei denen allerdings auch gesungen wurde. (zurück nach oben)

1900 Nach der Jahrhundertwende

Erst um 1900 herum entwickelte sich auch das Bestreben, Konzerte auszurichten. Wenig später fanden diese auch Ergänzungen in Theateraufführungen, genauer gesagt in Singspielen. Diese Veranstaltungen hatten abgesehen von der Unterbrechung während der Jahre des ersten Weltkriegs bis in die Zeit um 1939 Bestand. In der Zeit des zweiten Weltkriegs – 1939 bis 1945 – und unmittelbar danach gab es weder Konzerte noch Singspiele. Die politische Entwicklung zwang auch viele Sänger der Hoffnung zu den Waffen. Einige konnten nie mehr zu den Proben kommen, die bald nach dem furchtbaren Kriegsgeschehen im Jahr 1947 wieder begannen. (zurück nach oben)

1947 – Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Ab diesem Jahr gab es wieder Konzerte der Hoffnung. Diese fanden im Saal des Hotels Frölich immer am 2. Weihnachtsfeiertag statt und gingen einher mit einem anschließenden großen Ball. Diese Veranstaltungen zählten in jener Zeit – ohne Fernsehen und mit noch eingeschränkter Motorisierung der Bürger – zu den großen Ereignissen und gesellschaftlichen Höhepunkten in der damals noch selbständigen Kreisstadt Wiedenbrück. Über eine Zeit von mehr als 25 Jahren leitete in dieser Phase Hans Plücks, der damalige Kantor der St. Aegidius-Gemeinde zu Wiedenbrück, den Chor. Er nutzte die naheliegende Möglichkeit, viele Damen des dort von ihm geleiteten Kirchenchores für die aktive Beteiligung an den Aufführungen der weltlichen Werke für gemischten Chor durch die Hoffnung zu gewinnen. Er führte mit großem Einsatz und außergewöhnlicher Sachkenntnis den so geformten Klangkörper zu großen Erfolgen. (zurück nach oben)

1973 – Der Verein am Abgrund und sein Überleben

Im Jahr 1973 kam es zu einer bedeutenden Zäsur in der Geschichte des Vereins. Das Vereinslokal Hotel Frölich wurde im August dieses Jahres in einem gewaltigen Flammeninferno zerstört. Etwa zur gleichen Zeit erkrankte der Dirigent Hans Plücks. Auch der langjährige Vorsitzende Bernhard Knöbel musste wegen Erkrankung sein Amt im Verein aufgeben. Diese unglückliche Verkettung von Ereignissen führte zu einem Tiefpunkt in den Annalen der Chorgemeinschaft. Die verbliebenen Mitglieder haben sogar erwogen, den Verein aufzulösen und zu liquidieren. Dass es nicht so weit gekommen ist, verdankt die Hoffnung Johannes Brentrup, damals Dozent an der Kirchenmusikhochschule Münster, der als Chorleiter mit nur sieben Sängern die Probenarbeit wieder aufnahm. Er stammt aus der Wiedenbrücker Traditionsgaststätte Jägerheim, in dem schon durch seinen Vater immer Musik und Gesang gepflegt worden war. Sein Engagement muss als ein großer Glücksfall für den Verein in schwerer Zeit angesehen werden. Die Vereinsaktivitäten belebten sich schnell. Die Programmgestaltung in den Konzerten war in der Folgezeit wesentlich mitgeprägt von der Vorliebe, die Johannes Brentrup u.a. für Franz Schubert hegte. Er erarbeitete mit den Sängern das umfangreiche Männerchorrepertoire dieses genialen Komponisten. Die Hoffnung singt – nicht zuletzt geprägt durch diese Erfahrungen unter Leitung von Johannes Brentrup – bis heute zur Freude der Zuhörer diese wunderbaren Chorsätze – insbesondere in der alljährlichen Matinée. Wie bereits in der Zeit unter Hans Plücks blieb es auch unter Leitung von Johannes Brentrup dabei, dass die Hoffnung sich regelmäßig den Werken für gemischten Chor widmete. Es kam zu grandiosen Konzertaufführungen, bei denen sich der Frauenchor hauptsächlich aus singfreudigen Damen der heimischen Kirchenchöre rekrutierte. Die von Hans Plücks ausgefüllte Personalunion – Chorleiter und Kantor – wirkte und wirkt lange nach. Unter anderem die guten Verbindungen der Chorleiter Plücks und Brentrup zur Musikwelt ermöglichten es, zu den alljährlichen Konzerten auch berühmte Solisten wie z.B. Kurt Moll, Heinz Hoppe, Barry McDaniel, Karl Ridderbusch, die auf den Bühnen der Welt zu Hause waren, haben in Wiedenbrück mit der Hoffnung konzertiert, Ridderbusch sogar insgesamt dreimal. Die Reihe imposanter Namen ist fortzusetzen mit Kurt Böhme, Kenneth Spencer, Cèsare Curzi, Yoko Kawahara, Brenda Jackson und Patricia Stone. Der Aufschwung, den die Vereinsarbeit in diesen Jahren erlebte, war wesentlich getragen durch das kraftvolle und umsichtige Wirken des damaligen Geschäftsführers Franz Langrock. Er hat dieses Amt mehr als zwanzig Jahre wahrgenommen und damit ganz entscheidend zu den Erfolgen beigetragen. Sein strahlender Tenor bildete außerdem eine feste Stütze für alle Sänger in diesem Register. Unvergessen sind seine ungezählten Soloauftritte, die Franz Langrock eindruckvoll gestaltete und immer zu Höhepunkten der Programme machte. (zurück nach oben)

1983 Einhundert Jahre Gesangverein Hoffnung

Das Jubiläum zum hundertjährigen Bestehen des Chores war nach dem Tiefpunkt in dem vorangegangenen Jahrzehnt bereits wieder ein glanzvolles Ereignis, zu dem die Hoffnung in voller Chorstärke und mit leistungsfähigen Sängern ausverkaufte und großartige Konzerte gestaltete. Nach diesem Jubiläum endete die Ära des Chorleiters Brentrup bei der Hoffnung. Auf einen Dirigenten mit vergleichbar ausgedehnter Amtsdauer und prägender Kraft musste die Hoffnung lange warten. Aus der an anderer Stelle dargestellten Reihe der für die Hoffnung tätigen Dirigenten der Folgezeit ragt der Name Frank Beermann heraus, der zwar nur für relativ kurze Zeit das Dirigat übernahm, aber einen weit reichenden Nachklang hinterließ. Er, der heute im ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus als einer der profiliertesten deutschen Dirigenten unserer Zeit bekannt ist, pflegte einen eher professionell angelegten Probenstil, was alsbald entsprechende Erfolge im Chorklang herbeiführte. Beermann’s Ideen hinsichtlich der Konzerte unterschieden sich deutlich von denen der Vorgänger. Es waren nicht nur Klavier- oder kleine Orchesterbegleitung, sondern größere Klangkörper gefragt. Die Realisierung dieser anspruchsvollen Idee gelang mit der über die städtische Vereinigung Chor und Musik gewährten Hilfe der Stadt Rheda-Wiedenbrück und der Flora Westfalica. Angesichts der gelungenen Aufführungen von außergewöhnlicher Qualität gelang auch die Gewinnung zahlreicher privater Gönner und Sponsoren, wofür der Verein sehr dankbar war und ist.

Nach fünf Jahren verließ uns Frank Beermann und begann seine großartige Karriere als Dirigent. Er hielt sein Versprechen, für einen Nachfolger zu sorgen, der seine so vorzüglich begonnene Arbeit in seinem Sinne fortsetzte. Es kam Peter Feigel, seinerzeit ein überaus begabter und von Musikalität durchwirkter junger Mann. Er arbeitete sechs Jahre lang mit dem Chor. Ihm gelang es nicht nur, die erreichet stimmliche Qualität zu konservieren, er setzte zusätzliche Impulse, sorgte für Vielseitigkeit und Kreativität. Seine Konzertprogramme überzeugten durch ihre vorzüglich durchdachte Konzeption. Er machte nach Beendigung seiner musikalischen Ausbildung im westfälisch-lippischen Raum seinen Berufsweg als Musiker und Dirigent mit Stationen in Cottbus und Berlin, wo er nach anfänglichen Jahren als Leiter des Polizeiorchesters inzwischen als Dirigent im Friedrichstadt-Palast tätig ist. Er hat der Hoffnung über viele Jahre als einfühlsamer und womöglich schwungvoller Klavierbegleiter der Matinée die Treue gehalten und dabei auch solistische Glanzpunkte gesetzt.

Diese Matinée veranstaltet die Hoffnung jährlich zusätzlich zu dem großen Traditionskonzert, das inzwischen seit vielen Jahren am ersten Adventwochenende stattfindet. Die Matinée findet seit über 20 Jahren in deutlich kleinerem Rahmen jeweils an einem Sonntagmorgen im Frühjahr statt. In den ersten Jahren bot dafür die Remise des Burgmannshofs Haus Aussel einen sehr geeigneten Rahmen. Als sie wegen eines neuen Nutzungskonzepts nicht mehr zur Verfügung stand, wechselte dieses Konzertereignis in die Aula des Ratsgymnasiums. Die Sänger bieten Programme von „ernst und getragen“ bis „betont locker“ dar. Sie stellen regelmäßig unter Beweis, dass sie auch als reiner Männerchor ein Publikum zu unterhalten verstehen. Bereits seit 1998 hat im Programm auch das Vokalquintett „Hoffnungslos“, dem unter Führung von Dr. Paul Hoffmann nur Sänger der Hoffnung angehören, seinen festen Platz. Dieser Programmpunkt ist für viele Besucher der Matinée immer wieder einer der Höhepunkte des Programms. Im Anschluss an die Matinée nehmen nach den musikalischen Genüssen zahlreiche Gäste das Angebot an, noch eine Weile bei den Sängern zu bleiben und bei einem Getränk oder einer Suppe ein wenig zu plaudern. Soweit die finanzielle Situation des Vereins das gestattete, hat die Hoffnung in unregelmäßiger Folge diese Matinée als Benefizveranstaltungen durchgeführt und sich so in den Dienst von karitativen oder sonstigen gemeinnützigen Zwecken gestellt. (zurück nach oben)

Seit 2000: Der Verein nach seiner zweiten Jahrhundertwende

Nach Peter Feigel übernahm Knut Peters noch als Student die Chorleitung bei der Hoffnung. Er hat die vorgefundene Chorgemeinschaft mit jugendlichem Elan weiter geformt und musikalisch geführt. Sein schier unerschöpflicher Eifer und Schwung reisst die Sänger immer wieder mit und spornt sie zu intensiver Probenarbeit mit entsprechenden Fortschritten in stimmlicher und klanglicher Hinsicht an. Er leitet auch die jeweils im Sommer beginnenden Proben des Frauenchores der Hoffnung, in dem sich alle Jahre wieder Damen zusammenfinden, die gerne die Möglichkeit nutzen, als Aktive die berühmten und wunderbar klingenden Werke für gemischten Chor und Orchester mitzuerleben. Knut Peters ist auch die partner-schaftliche Zusammenarbeit der Hoffnung mit den von ihm gegründeten und geleiteten Gymnasialchören aus Verl und Schloß Holte/Stukenbrock und dem Symphonieorchester Verler Vier Jahreszeiten zu verdanken. Diese Kooperation bietet der Hoffnung seither in einzigartiger Weise die Möglichkeit, große Werke der Chorliteratur zu erarbeiten und begleitet von ei-nem Orchester dem heimischen Publikum in unserer eigenen Stadt anzubieten. Die ausnahmslos ausverkauften Aufführungen belegen, dass dieses Angebot von den musikinteressierten Bürgern unserer Stadt und Region dankbar angenommen wird. Unser Verein ist zuversichtlich, auch künftig unter Leitung von Knut Peters beeindruckende Musikereignisse zu dem nach unserer Auffassung erstaunlich reichhaltigen Kulturangebot unserer Doppelstadt beitragen zu können.

Die unter Leitung von Frank Beermann, Peter Feigel und Knut Peters aufgeführten Werke sind an anderer Stelle (Konzerte) nachzulesen. (zurück nach oben)

copyright GV Hoffnung Wiedenbrück